Ein Museum der
Schwälmer Mundart
Einblick in die historische Sprachkultur im Rotkäppchen-Land
Die Schwälmer Mundart - Versuch zu einem Wörterbuch.
Die Schwalm ist ein Fluss, der im Vogelsberg entspringt und bei Altenburg in der Nähe von Felsberg in die Eder mündet. Im Bereich des Mittellaufs etwa zwischen Neukirchen und Schwalmstadt liegt das nach dem Fluss benannte "Schwälmer Land".
Zur engeren Schwalm gehören die Ortschaften Wasenberg, Willingshausen, Merzhausen, Leimbach, Ransbach, Gungelshausen, Loshausen, Zella, Salmshausen, Röllshausen, Schönberg, Schrecksbach, Holzburg, Rückershausen, Riebelsdorf, Steina, Niedergrenzebach, Obergrenzebach und Ascherode.
Zu den Randgebieten der Schwalm zählen die Ortschaften Kleinropperhausen, Nausis, Schorbach, Asterode, Christerode, Hauptschwenda, Seigertshausen, Leimsfeld und Schönborn. Allendorf an der Landsburg und Wiera. Die Bewohner der hier genannten, zum Knüll hin gelegenen Orte, werden im Volksmund auch "Heckeschwälmer genannt.
Die Städte Ziegenhain, Treysa und Neukirchen gehörten nicht unmittelbar zum Kulturraum der Schwalm, da dieser bäuerlich geprägt war, und die Städter weder Schwälmer Tracht trugen noch das Schwälmer Platt sprachen.
Sprache unterliegt einem ständigen Wandel
Eine Sprache verändert sich in dem Maß, wie sich das Leben der Menschen im weitesten Sinn ändert. Wenn man das Leben der Schwälmer im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem heutigen vergleicht, dann wird deutlich in welchem Umfang sich auch die Sprache verändert hat. Von einer bäuerlichen und dörflichen Tradition im damaligen Sinn kann heute kaum mehr die Rede sein. Die Schwälmer Tracht und viele Gegenstände des täglichen Lebens sind allenfalls noch im Museum der Schwalm oder im Museum in Holzburg zu bewundern. Viele Gerätschaften aus Haus und Hof sind im Zuge der technischen Entwicklung aus dem Blickfeld verschwunden.
Die bäuerliche Mehrgenerationenfamilie gleicht sich immer mehr den städtischen Familienstrukturen an. Diese Veränderungen im Lebensumfeld haben ihre Spuren auch in der Sprache der Schwälmer hinterlassen. So finden wir heute nur noch eine sehr reduzierte Form der Schwälmer "Ursprache". Diese ist leider dem Untergang geweiht ist. Der Versuch in der den Grundschulen der Schwalm das Platt zu unterrichten erscheinen eher als ein hilfloses Unterfangen. Es gibt immer weniger Menschen, die das Platt sprechen und verstehen.
Dies wird besonders deutlich, wenn man sich mit den frühsten schriftlichen Dokumenten des Schwälmer Platt, den Gedichten im "Kreizschwerneng" von Kranz aus dem Jahr 18.. befasst. Dem heutigen Leser geben bestimmte Begriffe aus dieser Zeit Rätsel auf, ebenso wirken die Ausdrucksformen befremdlich. Trotzdem geben die Gedichte einen tiefen Einblick in die Eigenheiten der Schwälmer vergangener Zeiten.
Versuch zu einem Wörterbuch
Der Begriff Wörterbuch scheint mir zu hoch gegriffen. Vielleicht sollte man besser von einer Sammlung schwälmer Wörter und Redewendungen sprechen. Begibt man sich an ein solches Vorhaben, so wird sehr schnell deutlich, dass es sich um ein Fass ohne Boden handelt. Die Auswahl der Wörter erfolgte danach, wie sie von der Aussprache oder Bedeutung als typisch für die Schwalm anzusehen sind oder waren. Neben heute noch geläufigen Begriffen wird auch das Vokabular zurückliegender Zeiten berücksichtigt. Ein Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass es im Schwälmer Platt zwei Vokale gibt, die dem Hochdeutschen fremd sind, aber in der englischen Sprache vorkommen.
- Beispiel 1: Das Wort Reis wird in der schwälmer Fassung als "Rejs" dargestellt, wobei die Betonung dem englischen "ay" in dem Wort Spray entspricht.
- Beispiel 2: Das Wort Maus wird in der schwälmer Fassung als "Mows" dargestellt, wobei die Betonung dem englischen "ow" in dem Wort "Flow" entspricht.
Entsprechende schwälmer Wörter werden also mit diesen beiden kursiv gedruckten Buchstaben abgebildet. Die Dehnung von Vokalen erfolgt teilweise etwas willkürlich entweder durch Anhängen eines "h" oder durch Dopplung des Vokals.
Neu in diesem Projekt ist, dass man sich eine Auswahl von Wörtern und Redewendungen anhören kann. Durch Klick auf das Lautsprechersymbol in den Listen bekommt man eine klare Vorstellung vom Klang des Wortes.
Museum der Schwälmer Mundart
So muss man dieses Projekt sehen als den Versuch, ein Museum für die Schwälmer Mundart einzurichten. Es soll in der Onlineversion allerdings ein lebendiges Museum werden. Alle, die Interesse am der Gestaltung und Weiterentwicklung dieses Museum haben, sind eingeladen per Email an schwaelmer-mundart@t-online.de Vorschläge zu machen. Es geht um Korrekturen, Ergänzungen und Erweiterung des Vokabulars.
An dem Projekt Beteiligte:
- Autoren: Dr. Helmut Hennighausen (gebürtig aus Riebelsdorf)
- und Sven Mill (gebürtig aus Röllshausen)
- Idee: Dr. Udo Hennighausen
- Webdesign: Johannes Seewald

